Urlaub in Småland

Wer unseren Nachbarn jenseits der Ostsee noch nicht kennt, baut sich nicht selten sein Bild von Schweden aus den schönen Kinderbüchern Astrid Lindgrens auf. In ihren Büchern hat sie die Landschaften, die kleinen Städte und Dörfer und die Menschen ihrer eigenen Heimat Småland bildhaft beschrieben. Dabei gibt es die so märchenhaft anmutende Region Schwedens tatsächlich.

Das ist Schweden wie aus dem Bilderbuch

Die Kinder aus dem Drei-Häuser-Dörfchen Bullerbü, Pippi Langstrumpf, Lotta aus der Krachmacherstrasse, Michel vom Kathult-Hof in Lönneberga, Karlsson vom Dach und die Gebrüder Löwenherz sowie die dichten Wälder von Ronja Räubertochter – Reisenden durch Småland begegnen die verschiedenen Schauplätze aus den Kinderbüchern der Astrid Lindgren überall. Dazu tun die falunroten Holzhäuschen mit ihren weiß gerahmten Türen und Fenstern und die freundlichen Leute das Übrige. Vollends in die Lindgren-Welt versetzt fühlt man sich, wenn man Vimmerby besucht, den Geburtsort der Schriftstellerin. Hier verlebte Schwedens Nationalschriftstellerin ihre gesamte Kindheit. Ganz zu Lindgrens Ehren und nicht zuletzt auch, weil Schweden ein so kinderfreundliches Land ist, gibt es in Vimmerby neben einem idyllischen Feriendorf mit benachbartem Campingplatz einen großen Freizeitpark: Astrid Lindgrens Värld.

Die drei Königreiche

Über eine sehr lange Zeit existierte Småland autonom zwischen Dänemark und Schweden. König Gustav Vasa verlegte im 16. Jahrhundert seine Regierungszentrale ins weit entfernte Stockholm und verbot den Handel mit dem Königreich Dänemark drastisch. Allerdings waren die Handelsverbindungen zu den Dänen für die Småländer geradezu lebensnotwendig. Um zu überleben, setzte sich der legendäre Bauernführer Nils Dacke an die Spitze eines total unterbesetzten Heeres, das jedoch mit einem regional sprichwörtlichen „Dacke-Geist“ aus der Konfrontation mit der Übermacht siegreich hervorging.

Daraufhin wurden im 17. Jahrhundert die bis heute gültigen Provinzgrenzen festgelegt. Gleichzeitig war Småland in drei Zonen unterteilt worden. Hauptstädte der drei Provinzen wurden die sehenswerte Zündholzstadt Jönköing am südlichen Zipfel des Vättern, Växjö, am Tor zum „Glasreich“ und auch „Herz Smålands“ genannt sowie das besonders geschichtsträchtige Kalmar an der Küste.

Das maritime Kalmar am gleichnamigen Sund ist über eine mehr als sechs Kilometer lange Brücke mit der direkt gegenüberliegenden Insel Öland verbunden. Kalmar war bereits im 11. Jahrhundert urkundlich beschrieben worden und verfügt heute über einen einzigartig malerischen Altstadtkern. Im Jahr 1397 waren hier die drei Königreiche Schweden, Dänemark und Norwegen durch Königin Margarethe I. vereint worden. Obwohl sie formell nie ratifiziert wurde, hielt die Kalmarer Union bis 1523, dem Jahr der schwedischen Unabhängigkeit.

Von den mächtigen Festungswällen der Kalmarer Trutzburg auf der Insel im Slottsfjärden, die 1160 als Zeichen des wehrhaften Widerstands gegen die Dänen errichtet worden war, genießen Besucher eine traumhafte Aussicht über die phantastische Natur- und Wasserlandschaft der Umgebung. Die Burg wurde in der Zeit der Renaissance in ein prunkvolles Schloss umgewandelt.

Der Dom zu Kalmar wurde zwischen 1660 und 1700 unter dem berühmten Stralsunder Baumeister Nicodemus Tessin erbaut. Er steht auf der Altstadtinsel Kvarholmen und gilt heute als die größte Barockkirche Schwedens. Besonders interessant sind auch die zahlreichen Keramikwerkstätten in Kalmar und die namhaften Kunstateliers. Darüber hinaus befinden sich in der Umgebung der Stadt besonders schöne Sandstrände.

Wo Carl von Linné einst die Schulbank drückte

Das Wahrzeichen von Växjö liegt am Rand des Linnéparks: Der dreischiffige Dom der Stadt stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Der Namensgeber des schönen Parks ist der auf der ganzen Welt berühmte Botaniker und Naturforscher Carl von Linné, der im Karolinischen Gymnasium von Växjö zur Schule ging. Das „Utvandrarnas Hus“ ist dem Gedenken derjenigen Smålander gewidmet, die einst aus der Gegend fortzogen, um nicht großer Not und dem Hunger zu verfallen. Der Strom schwedischer Auswanderer Richtung Amerika hatte das ganze Land erfasst – so dokumentiert es das Utvandrarnas Hus in Växjö. Deshalb drohte die Gegend zum Ende des 19. Jahrhunderts auszubluten. In Berichten des schwedischen Reichstags wurden die Ursachen unumwunden benannt: große Armut, Unzufriedenheit mit den damaligen Verhältnissen und Unterdrückung. Damals bildete sich eine Volksbewegung, die den Boden für umfassende Reformen ebnete, die letztendlich das gesamte Reich erfassten. Damit waren die ersten Schritte auf dem Weg zum schwedischen Wohlfahrtsstaat getan. Interessierte Besucher sehen in Klasatorpet bei Långasjö kleine Hütten, in denen die berühmten vier Auswandererromane von Vilhelm Moberg verfilmt wurden. Vobergs Romane hatten das Schicksal der 1,3 Millionen Schweden zum Thema, die eine ungewisse amerikanische Zukunft der bitteren Not ihrer Heimat vorzogen. Dem Romancier wurde in Växjö ein Denkmal gesetzt.

Kronoberg Slott, die alte Schlossruine Kronoberg, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sie liegt nur wenige Kilometer nördlich von Växjö am See Helgasjön und thront über einem weitverzweigten System von Seen – und davon hat Småland mehr als 5 000. Rund um die Seen stehen zahllose rote Ferienhäuschen, oft ganz direkt am Wasser mit eigenem Bootssteg und Ruderboot.

Die Stadt Jönköping war in ihrer wechselvollen Geschichte mehrmals durch große Feuersbrünste zerstört worden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie fast vollständig neu erbaut. Aus alter Zeit stammen nur noch einige Gebäude in Jönköpings Stadtkern wie das Rathaus vom Ende des 17. Jahrhunderts, das ehrwürdige Landgericht von 1655 und die alte Kristinakirche. Ein Zündholzmuseum wurde in der ehemaligen Streichholzfabrik, dem heutigen Kulturzentrum „Tändsticksområdet“, eingerichtet. Hier gibt es interessante Informationen über die Arbeitsbedingungen und die Fertigungstechnik. Verpassen sollte man das Zündholzmuseum nicht. Im Verlauf der 1920er und 1930er Jahre gingen von hier aus Zündhölzer in die ganze Welt.

Småland ist bekannt als uraltes Kulturland. Schon vor mehr als 10 000 Jahren, als das Eis geschmolzen war, waren die ersten Jäger aus dem Süden in die Gegend gekommen. Bis heute ist das Land voll von ihren Spuren. Im weiteren Lauf der Zeit ließen sich zahlreiche in Småland sesshaft gewordene Bauern von den Wikingern für ihre Eroberungskriege anheuern. Den Inschriften der vielen Runensteine in der Gegend kann man entnehmen, wo die „Aushilfswikinger“ damals überall herumkamen.

Eisen, Holz und Glas: Smålands Werkstoffe

Nach seiner Entdeckung sollte das Eisen Smålands wichtigstes Exportgut werden. In Huseby bruk, südlich von Växjö, befindet sich eine alte Eisenhütte, die das schwedische Reich seit dem Jahr 1620 mit Roheisen, mit Kanonen und diversen Eisenprodukten versorgte.

Die Hütte überlebte spätere kleinere und größere Krisen, weil neben den Schmelzöfen auch Schmieden und Werkstätten für landwirtschaftliches Gerät nebst Landwirtschaft betrieben wurden.

Der nahe gelegene Ort Gnösjö ist Heimstatt des Töllstorps Industriemuseet. Es befindet sich in einer im Jahr 1974 stillgelegten Gießerei und berichte mit zahlreichen Exponaten auf interessante Art uns Weise über die Fertigung von Draht und seine weitere Verarbeitung zu Gittern, Sieben, Haarnadeln und verschiedenen anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Sie waren früher einmal hier hergestellt worden – damals schon mit Energie aus eigener Wasserkraft.

Smålands dichte Wälder lieferten auch den wichtigen Rohstoff für für die gewinnbringende Holzindustrie. Sie war wiederum die Grundvoraussetzung für die Herstellung von Glas, deren Zentrum zwischen Växjö und Nybro im berühmten „Glasreich“ von Småland entstand. Dabei waren die ersten Glasmacher vor fast 500 Jahren aus dem Böhmischen nach Småland gekommen. Auf König Gustav Vasas Geheiß kamen darüber hinaus auch Künstler aus Venedig, die die idealen Voraussetzungen, die das Land ihnen bot, gut nutzten: feinkörniger, hochwertiger Quarzsand sowie Holz aus den Wäldern zum direkten Befeuern ihrer Öfen.

Bis heute regieren absolute Profis das Glasreich. Dabei sind Besucher in den Glashütten – etwa 20 an der Zahl – jederzeit willkommen. Künstlerisch, ästhetisch und hoch konzentriert arbeiten die Glasbläser und Kristallschleifer, denen man bei ihrer Arbeit zuschauen kann. Der Reisende kann darüber hinaus ihre Handwerkskunst in Växjös Glasmuseum begutachten – und zu kaufen gibt es alles natürlich auch.

1742 war im Örtchen Kosta die bis heute arbeitende Glasmanufaktur gegründet worden. Hier und in den renommierten Glashütten von Boda, Orrefors, Åfors und Sandvikwar die Idee entstanden, die künstlerische Glasgestaltung in Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Das war die Geburtsstunde des weltberühmten schwedischen Glasdesigns.

Ausdruck der stolzen Handwerks- und Unternehmertradition Smålands ist neben den Glashütten auch das sogenannte Möbelreich und Älmhult, IKEAs Wiege. Hier war die allererste IKEA-Filiale eröffnet worden. Bis heute findet man an Ort und Stelle das größte IKEA-Sortiment der Welt. Im Sommer 2016 war hier auch das neue IKEA Museum eröffnet worden.

Småland erleben

Småland erwartet mit erstklassigen Ferienwohnungen, Hotels, romantischen Ferienhäusern und persönlich geführten Bed-and-Breakfast-Zimmern seine Besucher nicht nur zum Sightseeing und Shopping. Vom Wandern bis zum Badeurlaub am Meer oder am See sind fantasievollen Outdooraktivitäten tatsächlich keine Grenzen gesetzt.

Darüber hinaus locken Abstecher von Småland aus in die großartige Umgebung, so auf die beiden schwedischen Sonneninseln Öland und Gotland. Dabei ist Öland, der Sommersitz von Schwedens Königsfamilie, ganz einfach über eine Brücke erreichbar. Landschaftliche Vielfalt und das schöne, historische Visby locken nach Gotland. Nicht weit ist es auch in die Hafenstadt Göteborg und in den sonnenverwöhnten schwedischen Westen sowie in die uralten Kulturlandschaften der seenreichen Mitte des Königreichs Schweden.